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stadtkatze [userpic]

Zitat zum Tage

9. November 2009 (15:53)
amused

herz: amused

Der Unterschied zwischen dem Ost- und dem Westsystem ist, dass im Osten früher die Betriebe erst verstaatlicht wurden und dann heruntergewirtschaftet.
(Uwe Steimle als Günther Zieschong in "Neues aus der Anstalt")

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Ich werde alt und spießig (TV-Tipp)

28. August 2009 (18:54)

Ich bekenne mich dazu, z.B. "Das kleine Fernsehspiel" in den Öffentlich-Rechtlichen zu mögen und habe überhaupt ein Faible für gute (!) deutsche TV-Dramen entdeckt.

Ein solches gutes Drama läuft heute 20:15 Uhr auf EinsFestival. Wer also ARD Digital empfängt (z.B. über Sat oder DVB-T), sollte vielleicht mal in "Frei nach Plan" reinschauen. Der reine Plot klingt nach langweiligem Familiendrama, ist aber so dermaßen gut besetzt und gespielt, dass es eine Freude ist. (Gut, ich sehe Corinna Harfouch sowieso immer gern, aber ich kann das wirklich von allen Rollen behaupten.




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So this is what it's like to be an adult.

26. Juni 2009 (11:59)
pensive

herz: pensive

Wahrscheinlich gehört es zum Erwachsensein:
- Leute nicht prinzipiell doof zu finden, nur weil sie gut finden, was man selber doof findet
- mit Menschen klarzukommen, obwohl man sie nicht mag
- den objektiven Wert von etwas einschätzen zu können, obwohl man es subjektiv nicht mag

Und wahrscheinlich ist es genau das, was man in der Pubertät als bigott und heuchlerisch empfunden hat und weshalb man Erwachsene doof fand. Weil solche Eigenschaften hatten und gut fanden und man selber es doof fand. ;-)

stadtkatze [userpic]

Beengter Wohnungsbau für Vitamine

19. Juni 2009 (08:08)
amused

herz: amused

(eine Hommage an Max Goldt - und somit nicht völlig ernstzunehmen *g*)

Bei meiner Biokiste wird auf einem Lieferzettel zu Kontrollzwecken gesondert aufgelistet, was sich in eben jeder Kiste befindet. Meist erfährt das gesunde Grünzeug außer seiner namentlichen Nennung noch eine weitergehende Charakterisierung, auf dass der Belieferte genau wisse, woran er sich bei welcher Ackerfrucht am meisten zu ergötzen habe. Es ist hochspannend, zu sehen, was genau nun das herausragende Merkmal eines Vitaminspenders sein soll. Da tummelt sich

Melone-Wasser groß

neben

Möhren, jung
Pflaumen, blau


und

Salatgurken Mini

Ich muss gestehen, das Stück Wassermelone wäre jetzt von mir ohne vorheriges Wissen nicht als besonders voluminös eingeschätzt worden. Um es deutlich zu sagen: Mindestens 70% aller von mir gesehenen, befühlten oder gar gekauften Wassermelonenstücke stammten von größeren Früchten als ausgerechnet dieses Exemplar. Aber gut, um des lieben Friedens willen will ich rufen: "Oh, was ist dieses Stück Melone aber wässrig und groß!"
Warum ist es nun aber gegenteiligerweise bedeutsam, dass die Möhren jung und die Gurken Mini sind, sich also im Vergleich zu ihren Brüdern und Schwestern eher winzig ausnehmen? Sehe ich da nicht klappernden Hufschlags ein Paradoxon am Horizont auf mich zutraben? Eine tückische Liste ist das, die uns weismachen will, dass mal kleineres, mal größeres Agrarerzeugnis von Vorteil sei! Als ob Melonenvitamine es gern geräumiger hätten und Möhren- oder Gurkenvitamine eher gesellige Bürschlein wären.

Und weshalb spielt die Farbe der Pflaumen eine herausragendere Rolle als ihre Größe oder gar ihr Geschmack? Ein blinder Mensch, zum Beispiel, der auf tragische Weise seines Augenlichts beraubt ist, hat so doch nichts erfreuliches außer der Tatsache, dass sich Pflaumen in seiner Lieferung befinden. Die Farbe kann ihm ja schnurzegal sein, er sieht sie nicht, er fühlt sie nicht und kann sie auch nicht schmecken.
Gern hätte ich statt der augenfälligen Größen- oder Farbangabe "Pflaumen, wohlschmeckend" auf der Liste gelesen. Darüber könnte ich mich wirklich freuen: ich müsste die Früchte nicht einmal essen, um sagen zu können, dass sie aromatisch, saftig und süß gewesen seien.

Und ich könnte mich noch weiter über diese Ungerechtigkeit wahrnehmungsbenachteiligten Mitbestellern gegenüber ereifern. Aber gerade fiel mir auf, dass sie diese listige Liste ja gar nicht lesen können. Also verwende ich meinen Eifer lieber auf den völlig eigennützigen Verzehr knackiger Minigurken, Jungmöhren und Blaupflaumen.

stadtkatze [userpic]

Denn bunt ist das Leben und granatenstark!

12. Juni 2008 (08:40)
energetic

herz: energetic

Ich lese ja sehr gerne mal bei www.elles.de vorbei, wenn ich Lust auf etwas andere Geschichten habe. Gestern habe ich mal einen Kommentar zum Thema Outing am Arbeitsplatz im angegliederten Blog verfasst, worauf sich eine interessante Diskussion zwischen mir und der Verfasserin Ruth Gogoll entspann (entsponn?). Kurz darauf fand ich eine Mail von ihr in meinem Postfach: ob ich damit einverstanden sei, wenn mein einer Kommentar als Aufhänger für einen neuen Blog-Artikel genutzt werde. Natürlich war ich einverstanden und so entstand ein Eintrag zum Thema Homo- vs. Bisexualität, der dafür gesorgt hat, dass ich mir mal wieder etwas mehr Gedanken um das Thema mache.

Ich muss ja sagen, wenn man sich etwas näher damit befasst, so merkt man schon deutlich, dass Bisexualität immer ein Stiefkind der öffentlichen Repräsentation ist. Immer ein bisschen unter ferner liefen. Man ist ja nicht ganz lesbisch. Und auch nicht ganz hetero. Man passt nirgends so richtig hinein. Gern wird man szenemäßig zur Homosexuellenfraktion geschoben, aber so richtig passt man da auch nicht hin. Spätestens bei zweisamen Annäherungen wird das oft deutlich gemacht: "Nee, du, mit Bi-Frauen fange ich nichts an." Die verlassen einen ja früher oder später wieder für die traute Heterosexualität an Heim und Herd. Oder so ;-)

Natürlich hat Bisexualität ein deutlich positiveres Image in der Gesellschaft und ist nicht so stigmatisiert wie zum Teil immer noch die Homosexualität. Aber schaut man genauer hin, bröckelt die Fassade aus augenzwinkernden "Mensch, da hast du ja doppelte Auswahl!" und "Ach, ein bisschen bi schadet nie, nicht wahr?" Zum einen kommen solche Kommentare fast ausschließlich Frauen gegenüber - die Phantasie an einen Dreier mit zwei Frauen ist scheinbar tief verwurzelt *g*. Bei Männern kommt viel öfter die alte Homophobie zum Tragen: Schwanzlutscher? Igitt!
Zum anderen: was ist "ein bisschen bi"? Gelegentliche erotische Ausflüge zum gleichen Geschlecht? So denken es fast alle und so erleben es auch viele. Aber das muss eben nicht alles sein.

Es kann auch bedeuten, lieber mit dem gleichen Geschlecht zusammenzuleben, sich aber ab und an auf das andere Geschlecht einzulassen. Oder völlig ohne jede Gewichtung und Priorität zu leben. Nicht nur beide Geschlechter sexuell anziehend zu finden, sondern beide Geschlechter lieben zu können. Beziehungsweise sich in Menschen zu verlieben, egal ob Mann oder Frau. Und spätestens da ist ein Punkt erreicht, an dem die meisten Homo- und Heterosexuellen an die Grenzen ihrer Vorstellung stoßen. Nichts ist mehr schwarz oder weiß. Eine undefinierbare Grauzone, ein wenig nebulös und verschwommen. Nicht richtig greifbar. Am wenigsten für einen selbst, wenn man anfangs nicht weiß, wo man eigentlich steht.

Ich habe mich als Teenie eigentlich ausschließlich für Mädchen und Frauen interessiert. Habe mich unglücklichst verliebt, die ersten Erfahrungen gesammelt etc. Das ganze Klischee. Gut, dann wusste ich für mich eben: ich bin lesbisch. In einer Kleinstadt mit etwas konservativen Eltern nicht ganz einfach, aber immerhin ein Weltbild, mit dem man "arbeiten" konnte.
Wie verwirrend es war, als ich mich "trotzdem" mit 19 in einen Mann verliebte, ist schwer zu beschreiben. Alles, was ich bisher von mir glaubte, schien einfach nicht mehr gültig zu sein. Oder irgendwie auch doch, trotzdem, parallel?
Seit der Zeit war ich häufiger mit Männern zusammen als mit Frauen. Nicht unbedingt, weil ich mich jetzt festlegen wollte, sondern weil Annäherungsversuche an das gleiche Geschlecht einfach ungleich komplizierter und weniger erfolggekrönt sind. In der Lesbenszene wollte ich mich nie bewegen und habe es auch nie getan: die Codices waren mir einfach zu kompliziert, zu rigide. Das war nie, was ich wollte.

Zur doppelten Auswahl - das ist einfach dahingesagt. Für eine Nacht oder eine Affäre mag das stimmen. Aber die Zahl der Menschen, die sich auf jemanden einlassen, der auch noch Interesse am anderen Geschlecht als dem des Partners hat, dezimiert sich sehr schnell: beschränkt sich das eigene Bi-Verständnis auf gelegentliche homosexuelle Ausflüge unter Frauen, ist die Welt noch in Ordnung (siehe Dreier).  Männer haben es da schon schwerer. Und all die, die  auch mit  dem gleichen Geschlecht eine Partnerschaft eingehen würden, haben es doppelt schwer: Verlustängste und Untreuevorwürfe können jegliche Beziehung schnell vergiften. Schließlich kann Frau ja mit einer Frau durchbrennen. Oder muss zwangsläufig zweigleisig fahren.

Das klingt jetzt alles wahrscheinlich furchtbar negativ und weinerlich, aber das soll es gar nicht sein. Dies ist nur eine kleine Kontra-Argumentation für all diejenigen, die der Meinung sind, Bisexuelle hätten es ja besonders gut und einfach getroffen. Einfach sicher nicht.

Gut aber durchaus, wenn man die Bisexualität für sich annehmen und ausleben kann.
Trotz aller Widrigkeiten, denen man begegnen kann (aber nicht muss) ist es für mich mittlerweile das natürlichste von der Welt, nicht in Geschlechterkategorien zu denken, wenn ich liebe und mich verliebe. Ich kann jeden Menschen faszinierend finden, ohne mich für mich selbst positionieren zu müssen, ob dieses Interesse nun platonisch ist oder nicht. Ich unterliege in dieser Hinsicht keinen Beschränkungen. Ich glaube an Liebe, losgelöst von Geschlecht oder "Zugehörigkeit". Wir lieben nicht, was schön ist, sondern wir finden schön, was wir lieben.

Oder wie es der gute alte Billy Bragg sang:

I've had relations with girls from many nations
I've made passes at women of all classes
And just because you're gay I won't turn you away
If you stick around
I'm sure that we can find some common ground

Sexuality - strong and warm and wild and free
Sexuality - your laws do not apply to me

Denn bunt ist das leben und granatenstark!

stadtkatze [userpic]

Sexuality... your rules do not apply to me!

27. Oktober 2007 (17:11)
pensive

herz: pensive
ohr: Billy Bragg - Sexuality

Es gibt doch im studiVZ tatsächlich eine Gruppe für Doctor Who und eine für Torchwood. Ich bin begeistert. Auf die Gefahr hin, schon wieder alle mit diesen verdammten britischen Serien zu nerven: heute sind sie mal nur Aufhänger und Auslöser für einige Gedankengänge.
Wer es noch nicht mitbekommen hat: Torchwood ist eine Spin-Off-Serie von Doctor Who und dreht sich um die Figur des Captain Jack Harkness: ein ehemaliger Zeitreisender aus dem 51. Jahrhundert, der starb, ins Leben zurückgeholt wurde und nun nicht mehr sterben kann. Und der laut Doctor "a bit more flexible, when it comes to dancing" ist. Er selbst bezeichnet sich als omnisexuell. Er flirtet mit allem, was einen Puls und/oder eine Postleitzahl hat. Selbst Androiden würden nicht verschmäht. ;)

Beim Verfolgen der Diskussionen in den StudiVZ-Gruppen bin ich schon etwas irritiert. Da wird Torchwood kritisiert, es beinhalte zuviel Gewalt und Sex. Nun gut, darüber kann man ja geteilter Meinung sein. Gewalt... ja, allerdings läuft die Serie nun auch nicht gerade im Vorabendprogramm in der BBC. Sex... indirekt. Viele sexuelle Anspielungen, Flirtereien, eine Art "jeder mit jedem", nichts ist unmöglich.
Und gerade letzteres wird ebenfalls kritisiert. Da stellen sich Fragen wie "Wer vom Team ist eigentlich überhaupt noch hetero?", dann heißt es, es gäbe zuwenig "normales" sondern immer nur homoerotisches.

Worauf ich mal verwundert rekapitulierte und nur zu einem Fazit kam: fast jeder im Team hatte zwar innerhalb der ersten Staffel in irgendeiner Form gleichgeschlechtlichen Kontakt (und sei es durch einen wiederbelebenden Kuss von Captain Jack) aber keiner (!) war explizit auf eine Ausrichtung festzunageln. Ja, im Finale gibt es einen halbminütigen sehr intensiven Zungenkuss unter Männern, aber deswegen zu sagen, für sowas schaue mal sich notfalls Queer as Folk oder L-Word an, ist mir dann aber auch zu weit hergeholt.

Ich meine: diese Sendung hat nicht Sex als Hauptthema, es geht um etwas völlig anderes. Das sexuelle ist immer nur unterschwellig und Nebenhandlung. Und es ist bisher die einzige Sendung, die ich kenne, in der die sexuelle Ausrichtung völlig ohne Belang ist. Es ist weder so, dass es explizit um Homo- oder Bisexualität geht, noch wäre ein Homosexueller als Minderheit und Exot abgestempelt. It simply doesn't matter und das gefällt mir so. Aber scheinbar ist es tatsächlich so, dass ein solches Abweichen von der 95:5-Quote zugunsten strikter Heterosexualität schon als homoerotische Übermacht wahrgenommen wird.

Schade. Denn solche Restriktionen nerven mich auf der einen wie auf der anderen Seite. Ich möchte mir keine explizit homosexuelle Sendung anschauen, denn dies ist nicht mein soziales Umfeld. Ich finde aber auch die obligatorischen entweder gequält-versteckten oder klischeebeladenen Quotenhomos langweilig. Ich bewege mich in einer pluralistischen multikulturellen und multisexuellen Gesellschaft. Und ich würde es begrüßen, wenn sich keine Richtung zugunsten der anderen behaupten müsste. Wenn es einfach selbstverständlich wäre, dass jeder so ist wie er ist und sich das auch in kreativen Werken niederschlüge. Gerade auch in Film und Fernsehen.

Mir fehlt da sehr die Selbstverständlichkeit. Und die Beiläufigkeit. Im Ernst: wann sieht man denn in Film und Fernsehen wirklich einen Kuss (oder mehr) unter Frauen oder unter Männern ohne dass dies Kernthema des gesamten Films ist oder billig eingestreutes Pseudoherumgelesbel für fantasiehungrige Männeraugen? Ich würde sehr gerne sehen, dass z.b. Nebendarsteller morgens eben mal ihren Freund verabschieden oder eine Kollegin sich mit ihrer Frau für den Abend verabredet. Eben so völlig selbstverständliche Dinge abseits von jeglicher sexueller Effekthascherei. Und ohne auf irgendeiner Seite ein Übergewicht zu erzeugen oder sich festlegen zu müssen.

Es wäre schön, wenn die Welt ein bißchen mehr 51st century wäre...
(Das Lied finde ich großartig btw. Und für 1991 auch ein bißchen mutig. Danke, Billy.)

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