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stadtkatze [userpic]

Denn bunt ist das Leben und granatenstark!

12. Juni 2008 (08:40)
energetic

herz: energetic

Ich lese ja sehr gerne mal bei www.elles.de vorbei, wenn ich Lust auf etwas andere Geschichten habe. Gestern habe ich mal einen Kommentar zum Thema Outing am Arbeitsplatz im angegliederten Blog verfasst, worauf sich eine interessante Diskussion zwischen mir und der Verfasserin Ruth Gogoll entspann (entsponn?). Kurz darauf fand ich eine Mail von ihr in meinem Postfach: ob ich damit einverstanden sei, wenn mein einer Kommentar als Aufhänger für einen neuen Blog-Artikel genutzt werde. Natürlich war ich einverstanden und so entstand ein Eintrag zum Thema Homo- vs. Bisexualität, der dafür gesorgt hat, dass ich mir mal wieder etwas mehr Gedanken um das Thema mache.

Ich muss ja sagen, wenn man sich etwas näher damit befasst, so merkt man schon deutlich, dass Bisexualität immer ein Stiefkind der öffentlichen Repräsentation ist. Immer ein bisschen unter ferner liefen. Man ist ja nicht ganz lesbisch. Und auch nicht ganz hetero. Man passt nirgends so richtig hinein. Gern wird man szenemäßig zur Homosexuellenfraktion geschoben, aber so richtig passt man da auch nicht hin. Spätestens bei zweisamen Annäherungen wird das oft deutlich gemacht: "Nee, du, mit Bi-Frauen fange ich nichts an." Die verlassen einen ja früher oder später wieder für die traute Heterosexualität an Heim und Herd. Oder so ;-)

Natürlich hat Bisexualität ein deutlich positiveres Image in der Gesellschaft und ist nicht so stigmatisiert wie zum Teil immer noch die Homosexualität. Aber schaut man genauer hin, bröckelt die Fassade aus augenzwinkernden "Mensch, da hast du ja doppelte Auswahl!" und "Ach, ein bisschen bi schadet nie, nicht wahr?" Zum einen kommen solche Kommentare fast ausschließlich Frauen gegenüber - die Phantasie an einen Dreier mit zwei Frauen ist scheinbar tief verwurzelt *g*. Bei Männern kommt viel öfter die alte Homophobie zum Tragen: Schwanzlutscher? Igitt!
Zum anderen: was ist "ein bisschen bi"? Gelegentliche erotische Ausflüge zum gleichen Geschlecht? So denken es fast alle und so erleben es auch viele. Aber das muss eben nicht alles sein.

Es kann auch bedeuten, lieber mit dem gleichen Geschlecht zusammenzuleben, sich aber ab und an auf das andere Geschlecht einzulassen. Oder völlig ohne jede Gewichtung und Priorität zu leben. Nicht nur beide Geschlechter sexuell anziehend zu finden, sondern beide Geschlechter lieben zu können. Beziehungsweise sich in Menschen zu verlieben, egal ob Mann oder Frau. Und spätestens da ist ein Punkt erreicht, an dem die meisten Homo- und Heterosexuellen an die Grenzen ihrer Vorstellung stoßen. Nichts ist mehr schwarz oder weiß. Eine undefinierbare Grauzone, ein wenig nebulös und verschwommen. Nicht richtig greifbar. Am wenigsten für einen selbst, wenn man anfangs nicht weiß, wo man eigentlich steht.

Ich habe mich als Teenie eigentlich ausschließlich für Mädchen und Frauen interessiert. Habe mich unglücklichst verliebt, die ersten Erfahrungen gesammelt etc. Das ganze Klischee. Gut, dann wusste ich für mich eben: ich bin lesbisch. In einer Kleinstadt mit etwas konservativen Eltern nicht ganz einfach, aber immerhin ein Weltbild, mit dem man "arbeiten" konnte.
Wie verwirrend es war, als ich mich "trotzdem" mit 19 in einen Mann verliebte, ist schwer zu beschreiben. Alles, was ich bisher von mir glaubte, schien einfach nicht mehr gültig zu sein. Oder irgendwie auch doch, trotzdem, parallel?
Seit der Zeit war ich häufiger mit Männern zusammen als mit Frauen. Nicht unbedingt, weil ich mich jetzt festlegen wollte, sondern weil Annäherungsversuche an das gleiche Geschlecht einfach ungleich komplizierter und weniger erfolggekrönt sind. In der Lesbenszene wollte ich mich nie bewegen und habe es auch nie getan: die Codices waren mir einfach zu kompliziert, zu rigide. Das war nie, was ich wollte.

Zur doppelten Auswahl - das ist einfach dahingesagt. Für eine Nacht oder eine Affäre mag das stimmen. Aber die Zahl der Menschen, die sich auf jemanden einlassen, der auch noch Interesse am anderen Geschlecht als dem des Partners hat, dezimiert sich sehr schnell: beschränkt sich das eigene Bi-Verständnis auf gelegentliche homosexuelle Ausflüge unter Frauen, ist die Welt noch in Ordnung (siehe Dreier).  Männer haben es da schon schwerer. Und all die, die  auch mit  dem gleichen Geschlecht eine Partnerschaft eingehen würden, haben es doppelt schwer: Verlustängste und Untreuevorwürfe können jegliche Beziehung schnell vergiften. Schließlich kann Frau ja mit einer Frau durchbrennen. Oder muss zwangsläufig zweigleisig fahren.

Das klingt jetzt alles wahrscheinlich furchtbar negativ und weinerlich, aber das soll es gar nicht sein. Dies ist nur eine kleine Kontra-Argumentation für all diejenigen, die der Meinung sind, Bisexuelle hätten es ja besonders gut und einfach getroffen. Einfach sicher nicht.

Gut aber durchaus, wenn man die Bisexualität für sich annehmen und ausleben kann.
Trotz aller Widrigkeiten, denen man begegnen kann (aber nicht muss) ist es für mich mittlerweile das natürlichste von der Welt, nicht in Geschlechterkategorien zu denken, wenn ich liebe und mich verliebe. Ich kann jeden Menschen faszinierend finden, ohne mich für mich selbst positionieren zu müssen, ob dieses Interesse nun platonisch ist oder nicht. Ich unterliege in dieser Hinsicht keinen Beschränkungen. Ich glaube an Liebe, losgelöst von Geschlecht oder "Zugehörigkeit". Wir lieben nicht, was schön ist, sondern wir finden schön, was wir lieben.

Oder wie es der gute alte Billy Bragg sang:

I've had relations with girls from many nations
I've made passes at women of all classes
And just because you're gay I won't turn you away
If you stick around
I'm sure that we can find some common ground

Sexuality - strong and warm and wild and free
Sexuality - your laws do not apply to me

Denn bunt ist das leben und granatenstark!

Comments

Posted by: Nebo Brimstone ([info]kunterdunkle)
Posted at: 12. Juni 2008 09:22 (UTC)

"Das klingt jetzt alles wahrscheinlich furchtbar negativ und weinerlich, ..."

Nein, überhaupt nicht. Eher bedenkenswert und anregend. Ich muss sagen, dass ich mir überhaupt keine Gedanken über solche Dinge mache, jedem das seine [und diese ganzen homophoben Männer...meine Güte, Homos und Bi-Männchen haben auch ihren Stolz und machen nicht wild in der Weltgeschichte herum und schon gar nicht mit euch!].

Ich denke noch über deinen Text nach.

Posted by: creanoir ([info]creanoir)
Posted at: 12. Juni 2008 10:14 (UTC)

schatzi, dass ich dich großartig find, brauch ich ja nicht extra betonen.. aber nach diesem artikel... *knutsch*
das ist genau das, wie ich das sehe. man verliebt sich doch nicht in ein geschlecht.. man verliebt sich in einen menschen. diese ganzen schubladen bi, homo, hetero.. was bringt das denn? ausser das viele, viele menschen sich sehr schwer tun, weil sie nicht wissen, wo sie in dieses schema reinpassen. es würde so viel leichter sein, wenn wir endlich diese mistigen schubladen abschaffen würden.. wenn man einfach sagt: wir verlieben uns in menschen, nicht in geschlechter.. was wäre das für eine wunderbare geschichte? gays müssten sich nicht mehr outen, weil es absolut okay wäre, dass gleiche geschlecht zu lieben.. bis müssten sich nicht mehr mit den ganzen vorurteilen rumschlagen (ha, ihr seid ja alle nur zu feige, euch für eine richtung zu entscheiden) und heten müssten sich nicht mehr nen kopp machen, wenn sie mit einmal was vom gleichen geschlecht wollten.. eine win-win-situation für alle...

also weg mit den dummen geschlechterkategorien und auf in einer wunderbares leben voller liebe..

Posted by: ((Anonym))
Posted at: 12. Juni 2008 10:30 (UTC)
Lesbisch

Wie viele lesbische Romane habe ich jetzt geschrieben? Zwanzig, dreißig? Ich weiß es gar nicht mehr. Sie werden gern gelesen, und ich freue mich darüber. Aber ich weiß zum Beispiel nicht, wie viele Bi-Frauen meine Romane lesen. Ich gehe immer davon aus, daß ausschließlich Lesben meine Romane lesen, weil meine Romane eine rein lesbische Realität beschreiben, die für Bi-Frauen ja nicht zutrifft. In meinen Romanen kommen Männer kaum vor, nicht weil ich Männer nicht mag, sondern weil sie sexuell für mich nicht anziehend sind. Ich stehe ausschließlich auf Frauen. Das ist ebenso angeboren wie Bisexualität oder Heterosexualität, aber man nimmt es eigentlich nicht so wahr. Männer sind für mich Kumpel, gute Freunde, väterliche Berater, Menschen, mit denen ich mich gern über Themen unterhalte, für die die meisten Frauen sich nicht interessieren, aber ich könnte mir nie vorstellen, mit einem Mann zu schlafen, das fände ich abwegig.

Mit Heterosexualität haben wir Lesben gelernt umzugehen, mit der Intoleranz und Arroganz vieler Heteros, weil sie eben die Mehrheit sind und sich keine Gedanken darüber machen müssen, zu erklären, warum sie nun hetero sind und wie sie darauf gekommen sind, hetero zu sein, wieso sie als Frau auf einen Mann stehen und nicht auf eine Frau und als Mann auf Frauen und nicht auf Männer.

Okay, Heteros sind die Mehrheit, und das müssen wir akzeptieren, müssen damit leben, daß wir als "die anderen" betrachtet werden, die "von der Normalität Abweichenden". Aber dann kommt noch die Bisexualität – was machen wir damit?

Da wird es echt schwierig. Eine Bi-Frau hat es leichter, weil sie auch als Heterofrau durchgehen kann. Wie Antje hier oben sagt, ist sie mehr mit Männern zusammen, weil das Kennenlernen einfacher ist, und hält sich nicht in der Lesbenszene auf, weil sie das nicht mag. Nun, diese Wahl hat sie als Bi-Frau ... ich als Lesbe habe sie nicht. Ich kann mir nicht einfach einen Mann suchen, weil das einfacher ist, ich muß mich auf Frauen beschränken, weil ich eben ausschließlich auf Frauen stehe. Die Lesbenszene mag ich auch nicht, aber wo soll ich hingehen, wenn ich eine Frau kennenlernen will? Zu den Heteros? Das hat wenig Aussicht auf Erfolg.

Also denke ich, für Bi-Frauen ist es in einer Beziehung doch einfacher, in der Beziehung, daß sie sich den einfacheren Weg, einen Partner kennenzulernen aussuchen können. Diese Wahl haben wir Lesben nie.

Alles andere – da würde ich auch sagen, es kann auch schwieriger sein, denn auch ich würde mich nie (mehr) mit einer Bi-Frau einlassen (ebensowenig wie mit einer Heterofrau). Von einer Frau wegen eines Mannes verlassen zu werden, ist so ein tiefer Schmerz, so eine Hilflosigkeit ... denn gegen einen Mann hat man als Frau, als Lesbe keine Chance, da braucht man den Kampf gar nicht erst aufzunehmen. Der Mann, das bedeutet heterosexuelle Anerkennung, und das kann ich als Lesbe nicht bieten. Wenn ich als Lesbe für eine Frau verlassen werde, ist es auch schlimm, aber da sind die Chancen wenigstens gleichberechtigt, denn auch meine Rivalin ist eine Frau, aber mit einem Mann? Niemals.

Deshalb wird es wohl immer ein angespanntes Verhältnis zwischen Lesben und Bi-Frauen bleiben, obwohl niemand von uns etwas dafür kann, wie er oder sie geboren ist, homo-, bi- oder heterosexuell, trans- oder intersexuell oder was es sonst noch alles gibt. Wir alle sind unserem Schicksal ausgeliefert, es ist nicht unsere Entscheidung.

Deshalb bin ich dafür, uns alle gegenseitig einfach mit Respekt zu behandeln und jedem seine Ausrichtung zu lassen, keine Vorwürfe zu machen, wo Vorwürfe nicht angebracht sind.

Herzliche Grüße
Ruth Gogoll
www.elles.de

Posted by: stadtkatze ([info]warumberlin)
Posted at: 12. Juni 2008 11:22 (UTC)
Re: Lesbisch

Wie Antje hier oben sagt, ist sie mehr mit Männern zusammen, weil das Kennenlernen einfacher ist, und hält sich nicht in der Lesbenszene auf, weil sie das nicht mag. Nun, diese Wahl hat sie als Bi-Frau ... ich als Lesbe habe sie nicht. Ich kann mir nicht einfach einen Mann suchen, weil das einfacher ist, ich muß mich auf Frauen beschränken, weil ich eben ausschließlich auf Frauen stehe. [...]
Also denke ich, für Bi-Frauen ist es in einer Beziehung doch einfacher, in der Beziehung, daß sie sich den einfacheren Weg, einen Partner kennenzulernen aussuchen können.


Jein. Dass ich öfter mit Männern zusammen war, war das Ergebnis, aber nicht meine Suche. ;) Ich habe mich oft genug in Frauen verguckt, war aber zu schüchtern oder wußte, dass es keine Chance geben würde. Bei den Männern, in die ich mich verguckte, war die Chance einfach höher, dass es auf Gegenseitigkeit beruhte. Mit einer Wahl im eigentlichen Sinne des Wortes hat das nichts zu tun. In wen ich mich vergucke, kann ich weder aussuchen, noch steuern. Woraus mehr wird, kann ich ebenfalls nicht beeinflussen.

Posted by: malkavianerelfe ([info]malkavianerelfe)
Posted at: 12. Juni 2008 14:56 (UTC)
Re: Lesbisch


Ich bin von Frauen für Männer verlassen worden, naja, sagen wir besser wegen, von Männern wegen Männern und von Männern wegen Frauen. Was mehr weh getan hat? Der Fall, in dem die Liebe am Größten, an Intensivsten war.
Zumindest für mich war die Tatsache, das ich , also mein Sein, meine Person, nicht mehr zu der anderen Person passte vordergründiger als nun das Geschlecht des Dritten.
Und zumindest ich für mich habe mehr Probleme damit, Männer anzusprechen und anzuflirten als Frauen.

"...denn gegen einen Mann hat man als Frau, als Lesbe keine Chance...."
Darf ich fragen ob du da aus Erfahrung sprichst? Hast du mal gekämpft und bist gescheitert?
Aber vielleicht denke ich auch zu einfach. Vielleicht ist die Sache mit dem " Ich liebe Personen, nicht Geschlechter" zu einfach gedacht?

Posted by: Katherine Headburn aka Dr. Strangelove ([info]skfatal)
Posted at: 12. Juni 2008 14:08 (UTC)
i feel you. i ask you

hey, das ist ja mal ein sehr schöner eintrag. vielen dank für das teilen. :-)

ich stimme dir in eigentlich allem zu, unter anderem auch, dass lesben lieber nichts mit bi-frauen anfangen wollen - das hatte ich auch schon - also diese einstellung, allerdings muss ich dazu sagen, dass ich zu dem zeitpunkt 18 und gerade mein coming out hinter mir hatte. auf irgendwelche für mich damals nicht näher zu bestimmende unsicherheiten wollte ich mich auch lieber nicht einlassen. zum glück wird man ja aber älter und mit noch etwas mehr glück, über-denkt man währendessen ja so einiges. mittlerweile habe ich dieselbe einstellung wie du sie oben beschrieben hast. ich kann mir zwar gerade nicht vorstellen, dass ich jemals wieder was mit männern haben werde und halte es auch für hochgradig unrealistisch, aber ausschließen will ich es auch nicht. was weiß ich denn, was noch kommt und wo die liebe hinfällt?

ebenso ist es mit dem unsicherheitenfaktor, der mich mit 18 noch "belastet" hat. mittlerweile habe ich verstanden, dass sowieso alles "unsicher" ist. und letztendlich ist es mir egal, ob meine freundin nun mit nem typen abhaut oder mit ner frau. weg ist weg und besser oder schlimmer wird es aufgrund der tatsache, dass sie ggfs mit nem mann abhaut mit sicherheit nicht.

soweit ich das anhand meines freundeskreis beobachten kann, spielt eine konkrete und "immerwährende" festlegung bei den wenigstens eine rolle. man liebt wie und wen man will und so soll es doch auch eigentlich sein. leider steht mein freundeskreis nicht repräsentativ für einen querschnitt durch die gesellschaft aber es ist immrhin schon mal ein anfang. :)

jetzt muss man nur noch ein wenig an der akzeptanz von alternativen konzepten feilen (offene beziehungen sind böse! ;)) und dann wird alles gut. ;)

Posted by: Katherine Headburn aka Dr. Strangelove ([info]skfatal)
Posted at: 12. Juni 2008 14:17 (UTC)
i feel you. i ask you


öhem, ich glaub ich muss das noch mal spezifizieren, irgendwie kommt mir mein geschreibe ein wenig wirr vor. also mit der einstellung, die ich jetzt auch habe meine ich, insbesondere dass hier:

Trotz aller Widrigkeiten, denen man begegnen kann (aber nicht muss) ist es für mich mittlerweile das natürlichste von der Welt, nicht in Geschlechterkategorien zu denken, wenn ich liebe und mich verliebe. Ich kann jeden Menschen faszinierend finden, ohne mich für mich selbst positionieren zu müssen, ob dieses Interesse nun platonisch ist oder nicht. Ich unterliege in dieser Hinsicht keinen Beschränkungen. Ich glaube an Liebe, losgelöst von Geschlecht oder "Zugehörigkeit". Wir lieben nicht, was schön ist, sondern wir finden schön, was wir lieben.

ich definiere mich zwar klar als lesbe aber, wie im vorherigen kommentar erwähnt, schließe ich nicht aus, dass ich mich irgendwann ggfs anders definiere. wer weiß denn schon, was noch kommt.

:)

Posted by: stadtkatze ([info]warumberlin)
Posted at: 12. Juni 2008 14:24 (UTC)

Merci beaucoup!

Und wenn es ein drittes Geschlecht gibt, werde ich das irgendwann auch noch lieben. *kicher*
Wie sagte David Bowie zu seinem 50. so schön:
"Oh I wish I told Neil [Tennant, Pet Shop Boys, A. d. Verf.] I was trisexual." - "Trisexual? What does that mean, David?" - "Means I'll try anything!"

Posted by: ((Anonym))
Posted at: 12. Juni 2008 16:40 (UTC)
danke...

für den tollen beitrag! darf ich den verlinken?

LG

she_dunadan/Camilla

Posted by: stadtkatze ([info]warumberlin)
Posted at: 12. Juni 2008 16:54 (UTC)
Re: danke...

wo denn? prinzipiell gern :)
LG

Posted by: ((Anonym))
Posted at: 13. Juni 2008 23:54 (UTC)
Re: danke...

Ein Freund von mir hat hier (http://emblog.midgardr.net/2008/06/12/warum-homosexualitaet) über Erklärungsversuche zu Homosexualität geschrieben und ich finde, die Diskussion hier setzt nochmal ein anderes Schlaglicht dazu. Daher die Frage.

LG

Camilla

Posted by: Morticia ([info]mortis_world)
Posted at: 13. Juni 2008 21:38 (UTC)

Danke für Deinen Beitrag, der wirklich zum Nachdenken anregt.
Wobei, wer mich kennt weiß um meine Einstellung, daß ich es sehr schade finde, daß man sich heutzutage scheinbar immer noch 'outen' muß. Ich finde alleine schon dieser Prozess macht Liebe zu etwas schon fast Künstlichem, bzw. ihr wird die Natürlichkeit des Seins/Geschehens genommen. Liebe passiert - Punkt. Warum soll man dann begründen wohin seine Wahl bevorzugt fällt. Ich als hetero lebende Frau muß mich ja auch nicht rechtfertigen, warum ich so lebe/liebe. Vielleicht sollte ich das aber mal.
Und dann die Sache mit der Bisexualität. Im Grunde steckt sie doch in jedem von uns, in dem einen dominanter und in dem anderen halt rezessiv - mal genetisch ausgedrückt.
Mich kotzt es an, daß jungen Mädchen, die sagen, daß sie bi sind, höhnisch unterstellt wird, daß sie es nur tun, weil es szenetechnisch dazu gehört/ sich schick/ aussergewöhnlich anhört, sie sich wichtig tun wollen.
Vielleicht tun sie tatsächlich nur so. Aber kann es nicht auch sein, daß man im Teenie-/ Twenalter noch offener/ neugieriger ist und noch nicht in seinem 'klassischen Rollenmuster' steckt/stecken will?
Und was mach ich damit? Ich behaupte von mir bisexuell zu sein, aber im Grunde beziehungstechnisch immer mehr auf Männer fixiert zu sein.
Nach wie vor gibt es immer wieder Frauen, die ich sehr anziehend finde. Das ich das nicht auslebe, hat mit meiner eigenen Entscheidung zu tun.
Ich lebe schon zu lange mit meinem Partner zusammen, der mich über Alles liebt. Er würde das nicht verstehen können und es würde ihn furchtbar verletzen und ich kann nichts tun, was ihm wehtut. Andererseits würde es ihn natürlich genauso verletzen, wenn ich mich in einen anderen Mann verlieben würde.

Posted by: berlindelight ([info]berlindelight)
Posted at: 15. Juni 2008 19:19 (UTC)

Wie heli so schön formulierte, bin auch ich stets mit meiner Bisexualität an Mauern gestoßen und habe mir schon die eine oder andere Beule geholt.
Aber hat mich das zurückgeworfen? Nein, sicherlich nicht. Es hat mich eher reifer gemacht. Eine liebe Freundin hat dazu mal einen Satz geprägt, der mich bis heute als Credo oder Lebensmotto begleitet. Sie sagte mal zu ihrer Lebenseinstellung: "Ich führe Beziehungen mit Menschen - nicht mit Geschlechtern!". Irgendwie habe ich seit meiner frühen sexuellen Entdeckungsreise unbewusst dieses Motto gelebt.
Im Gegensatz zu helis erzkonservativem Elternhaus und Wohnortbedingungen fiel mir das in bloody old Berlin auch nicht wirklich schwer. Es gab genügend Szene, Örtlichkeit und Möglichkeit, das zu erkunden, was mich trieb.

Aber deswegen Schwul werden oder sein? Eher weniger. Das hatte und hat eher sexuelle Komponenten gehabt, denn Sex mit Männern war gut, aber bei weitem nicht ausfüllend. Irgendwie fehlte mir dabei immer der letzte Rest an Erfüllung oder wie auch immer man das nennen mag.
Emotional kann ich mich gut mit schwulen und bisexuellen Menschen arrangieren und ausleben, nur hatte ich immer nach dem Sex das Gefühl, dass etwas fehlt.
Aber zu einer gesunden Zweisamkeit gehört auch beidseitig guter Sex. Nicht gemessen an Menge oder Intensität, dennoch aber nach vorhanden sein.
Und mit einem Mann würde da auf Dauer ein Lücke klaffen.
Gleichzeitig hatte die Bisexualität, aber auch mein Einfühlungsvermögen in beide Geschlechter, Vor-und Nachteile. Zum Vorteil gereicht mir, dass ich mit meinen schwulen Freunden wesentlich inniger umgehen kann und sich bei Gesprächen oder emotionalem Beistand nie eine Mauer errichtet hat. Ich hatte großartige Gespräche in Schwulenbars und Gay-Saunen. Und es gab ein Dutzend verwunderte Gesichter bei anderen schwulen Männern, wie ein an sich fast heterosexuell verkehrender Mensch mit dem selben Geschlecht so unverklemmt umgehen kann.

Aber es gibt aber auch Negatives. Zum einem das nicht mehr ganz Mann sein. Denn als Bisexueller wird man von Gays oder Heteros nicht mehr als völlig Ganzes angenommen. Schwule Männer haben Sex mit dir oder können Nähe zulassen (emotional wie auch körperlich) aber Beziehung? Nein danke. Für viele potenziell zu instabil.
Und die Damenwelt ist da auch oft nicht besser. Wie meinen? Genau, die hetero- und bisexuelle Damenwelt. Denn wenn es eines gibt, was ich hasse wie die Pest, ist wenn ich als Frauenversteher deklariert werde. Es ist richtig das ich oft hilfreich bin wenn Männlein oder Weiblein in ihrer heterosexuellen Beziehung Probleme haben. Denn eines kann ich gut: marsianisch und venusisch denken, einfühlen und widergeben. Denn in vielen Beziehungen hakt es an dem „Geschlechterfilter“.
Frau setzen vielmals ihre eigene geschlechtsspezifische Denkweise beim Gegenüber an- und das auch umgekehrt bei den Männern gegenüber den Frauen.

Das ergibt dann oft Diskussionen im Stile von:
Sie: "Aber wenn er jetzt denkt....?"
Ich: " Nein, tut er nicht!"
Sie: "Aber er hat doch gesagt dass.... .".
Ich:"ja, aber er meint das völlig anders als du glaubst, dass er denkt oder sagt."!
Sprich, ich schaue oft durch den geschlechter-eigenen Filter oder Denkprozess.
Männer sind nun mal Marsianer und Frauen von der Venus. Da braucht es oft Übersetzer. Fragt mal heli, wie oft ich schon Frauendenkknäuel entzerrt habe, weil deren Freundinnen der Meinung waren, ihre Kerle würden das so oder so meinen. Meist ist es aber unwesentlich simpler. Ein Apfel ist ein Apfel ist ein Apfel und keine Banane oder Allegorie für irgendetwas anderes.
Aber der Nachteil ist, das man so gegenüber Frauen dann schnell zum schwulen besten Freund mutiert. Sprich, zum asexuellen Vertrauenspartner, mit dem man intimste Gedanken teilt- aber mit dem man nie das Laken teilt. Und ehrlich gesagt ist das oftmals echt Scheiße. Ich habe immer noch einen Schwanz, sehe maskulin aus und Testosteron ist mein Venenschmiermittel. Ich bin nicht das dritte Geschlecht. Denn wenn man einmal in der Ecke gelandet ist, ist das zu 92% ein point of no return. Und bei schwulen Männern passierte mir das auch schon.
Manchmal mag man als ganzer Kerl und sexueller Anreiz gesehen werden und nicht als asexueller Seelenpartner. Zu deutsch: Ich bin ein Kerl.

Posted by: berlindelight ([info]berlindelight)
Posted at: 15. Juni 2008 19:21 (UTC)
Teil 2

@ Frau Gogoll:
Warum mein erstes Posting? Als Outing vor der Gesellschaft? Wohl kaum!
Mein Umfeld an Freunden und Familie weiß um mich und meine Offenheit, ohne dass ich es extra betonen muss. Es ist eher eine erwähnte Berechtigung, mich zu diesen Thema zu äußern und auf Ihre These zu antworten. Ich habe mich besonders bemüht, meine Antwort lange zu überlegen, um nicht zu emotional in Konfrontation zu gehen. Denn ihre Aussage „der Schmerz verlassen zu werden, um mit einem Mann zusammen zu sein, sei besonders herb“, ist meiner Meinung nach absolut sexistischer Humbug. Auch wenn ich ein Kerl bin, darf ich so etwas erwidern. Zumal ich definitiv nicht zu der Neandertaler-Gattung gehöre, die die Homosexuelle als falsch gepolte Minorität ansieht.
Aber solche sexistischen Vorurteile, wie Sie sie niedertexten, gehören in die selbe Klischee-Ecke wie lila Latzhosen tragende Schwanzabschneiderinnen mit „Emma“-Vorteilsabo. Wir sind im Jahre 08 des 21. Jahrhundert und ich finde, die aufgeklärte Welt braucht weder Afroamerikaner, die sich selbst in Eastcoast-Rapvideos als Nigger titulieren, noch ein 70er-Jahre Männer-Frauen-Feindbild.
Zwischen der ersten Zeile dieses Textes und der Jetzigen liegen mehr als 24 Stunden und unzählige tiefgründige Diskussionen mit heli über den „Thesenanschlag“ von Frau Gogoll. Es wurde viel darüber geredet, was ich nun schreiben sollte oder was nicht. Denn eines sollten Sie jetzt bitte nicht denken: „Schon wieder so ein Chauvi-Argument von der Sackträgerfraktion!“

Verlassen werden tut immer weh. Egal wohin der Ex-Partner sich wendet. Ich weiß wovon ich rede. Ich bin in den letzten Zügen meiner Scheidung. Meine Ex ging vor meinen Augen fremd. Nach teilweise sehr schwierigen Ehejahren meinte sie das, worauf wir die ganze Zeit (krankheitsbedingt) verzichteten, sich ausgerechnet woanders holen zu müssen, als es gesundheitlich wieder bergauf ging. Und ich musste es auch noch mit ansehen. Und glauben Sie mir eines, liebe Ruth, es tat verteufelt weh. In mir zerbrach alles und ein späterer leichter Schlaganfall war nur die Spitze des Eisbergs.
Ich brauchte weit über ein Jahr, um mich halbwegs aufzurappeln und der Welt wieder ins Angesicht zu lächeln. Wäre es nicht dieser Kerl gewesen, sondern eine Frau (denn meine Ex war auch offen orientiert) es hätte sich definitiv nicht anders, besser oder schlechter angefühlt.

Um das Ganze in würzigere Kürze zu kleiden: „Es gibt auch umgekehrten Rassismus und Sexismus“, und das, Frau Gogoll, ist genau das, worin Ihre These abzudriften droht!
Verlust tut weh, okay! Aber es darf trotz aller schlechten Erfahrungen nicht dazu führen, Feindbilder zu zementieren.

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